Psychologie Heute: Lesen schützt vor Depressionen

(..) Das Team hielt über zwei Monate hinweg an fünf Wochenenden ständigen Kontakt mit 106 Jugendlichen, von denen 46 an einer klinischen Depression litten. 60 Mal riefen die Untersucher in unregelmäßigen Intervallen jeden und jede der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an und fragten sie, ob sie gerade in diesem Augenblick einer der (..) Tätigkeiten nachging. (..) Die Befunde spiegelten (..) einzig die Wirkung der verschiedenen Medien.

Zwei Ergebnisse stachen ins Auge: Erstens waren diejenigen Mädchen und Jungen, die in ihrer Freizeit sehr oft Musik hörten, mit mehr als achtmal so hoher Wahrscheinlichkeit depressiv als diejenigen, die nur selten Musik hörten. Zweitens waren unter denjenigen Jugendlichen, die die Forscher häufig beim Bücherlesen angetroffen hatten, nur ein Zehntel so viele Depressive wie unter denjenigen, die nur ganz selten oder nie einen Roman oder ein Sachbuch in die Hand genommen hatten. (..)

Was die Verbindung von Musik und Depression angeht, so sind sich die Forscher noch nicht ganz sicher, was Henne und Ei ist. „Momentan ist noch ungeklärt, ob depressive Menschen mehr Musik hören, um ihrer Schwermut zu entkommen, oder ob exzessives Musikhören depressiv machen kann – oder beides“, sagt Studienleiter Brian Primack. Intuitiv sollte man annehmen, dass Musikhören einen Menschen eher beschwingt und fröhlich als depressiv und niedergeschlagen stimmt. Das muss aber nicht so sein, wie der Psychologe Changiz Mohiyeddini, der heute an der Roehampton University in London lehrt, schon vor einigen Jahren ermittelt hat. Er stellte fest, dass manche Menschen in trauriger Stimmung bewusst traurige Musik auflegen. Sie hören also nicht deshalb Musik, weil sie sich aus ihrer Niedergeschlagenheit befreien wollen, sondern um in der Musik Resonanz für ihre Melancholie zu finden. Offenbar tröstet es sie, wenn sie ihre Stimmung in der Musik gespiegelt finden, also wenn Innenwelt und Außenwelt emotional im Lot sind. Wer hört schon gerne Schunkellieder, wenn er sich richtig mies fühlt?

Die positive Überraschung der neuen Studie aus Pittsburgh ist, wie deutlich Bücherlesen als Depressionsschutz wirkt. Dieses Resultat widerspricht nachdrücklich dem Vorurteil vom verschüchterten und vereinsamten Bücherwurm, der sich in eine Scheinwelt flüchtet, weil er im realen Leben keine Freunde findet. Offensichtlich ist das Gegenteil der Fall: Bücher vermitteln eher Lebensmut als Lebensflucht. Das, meint Primack, kann man angesichts der Bücher- und Leseverdrossenheit nicht nur unter amerikanischen Jugendlichen gar nicht genug hervorheben.

Thomas Saum-Aldehoff

›Quelle: EurekAlert, Illustration: Ludvik Glazer-Naudé

»Quelle: Psychologie Heute

 

 

 

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Veröffentlicht von

Patricia

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Ein Gedanke zu „Psychologie Heute: Lesen schützt vor Depressionen“

  1. Kann ich nur unterschreiben, was die Herren da von sich geben.. Vermutlich kann ich deshalb mit dieser ganzen Party-Jürgen-Drews-Wir-Saufen-Uns-Ne-Delle-Ins-Hirn-Musik nichts anfangen.

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