As my colors fade out.

Heute hatte ich einen WTF-Moment.

Ich geh so durch die Stadt, auf dem Weg zur Therapie und denke darüber nach, wie seltsam es ist, keinen Kontakt mehr zu all den „Freunden“ zu haben, die man hatte. Ich dachte so: „Die hatten alle nie Zeit für mich.“

Und dann kam der Moment. Denn die Wahrheit ist.. Ich hab auch nie Zeit.

Klar. Anfangs schon. Anfangs hab ich mich bemüht. Da hab ich allen nachgeheult, jeden angebettelt, ob wir nicht am Wochenende was unternehmen wollten. Wann sie Freistunden hätten. Wann dies und ob das.

Aber irgendwann.. Ich bin größtenteils den Falschen hinterhergerannt und die Richtigen kamen mir „zu viel“ vor.

Mittlerweile weiß ich gar nicht, wie ich mit Menschen umgehen soll. Worüber reden, was unternehmen? Ich könnte vermutlich 5 Stunden lang die Handlung von irgendeiner Triviallektüre erörtern und wieso der und der Handlungsstrang als Parabell angesehen werden könnte und Dingsbums. Aber so menschlich betrachtet bin ich ziemlich abgestorben.

Wie soll’n so ein Gespräch aussehen. Ab einer gewissen Stelle weiß ich nämlich auch gar nicht mehr weiter:

„Hey Bekannte XY.“

„Hey, naa?“

„Wie geht’s dir?“

„Jo, klasse und dir?“

 „Äääh..“

Ja.. wie man sieht.. Das klappt halt nicht so richtig.

Aber ist ja nicht so, als müsse das für immer so bleiben, riiiight? Und weil ich unglaublich cool bin, werd ich jetzt voll üben, mit Menschen umzugehen. Ich brauch noch Testpersonen.. naa, wer will? Ach, meh, mich kotzt es einfach an. Ich hab ja in Wahrheit keine Lust auf irgendwen, weil es mir zu anstrengend ist. Aber ich würde gerne mit Leuten zusammen sein, bei denen es mir nicht zu anstrengend vorkommt. Dass es davon halt keine gibt? Egal. Nein, es ist natürlich nicht egal und vielleicht sollte ich eben wirklich versuchen, mir anzutrainieren, mich auch unter Anderen relativ „wohl“ zu fühlen.Aber so einfach ist es eben nicht und ich hab keinen Plan, wie man sowas bitte schaffen soll.

Ist ja nicht so, als könnte ich nachher irgendeine Freundin anrufen und ihr sagen.. Ja, was bitte?

„Hey, na? Ich weiß, wir haben sogut wie gar nichts mehr miteinander zutun und vermutlich interessiere ich dich einen Dreck, aber, hee, du könntest mir echt helfen. Und zwaaar will ich langsam wieder versuchen, mit irgendwelchen 0-8-15-Ekelmenschen klarzukommen und da bist du mir sofort eingefallen! Es geht nur darum, eines dieser unnötigen Gespräche zu führen, in denen es eigentlich nur um Unsinn und Bauchpinselei geht. Wie wärs?“ *

„Oh, Danke Patricia, dass du sofort an mich gedacht hast und natürlich möchte ich mich absolut mit dir treffen und dir beibringen, sich menschlich zu benehmen! Darf ich denn sonst noch etwas für dich tun? Dir die Schuhe putzen, Französisch beibringen? Menschen töten? Ach, ich bin so froh, dass du mich endlich wieder mal angeschrieben hast, mein Augenstern. Ohne dich hat mein Leben einfach keinen Sinn mehr gemacht und wirklich, ich mache ja nur derzeit mein Abitur, du bist mir so viel wichtiger als meine Zukunft, meine Fahrschule oder mein Freundeskreis.“

Ja. Genau so wird das laufen.

(* Nein, falls das jemand liest – Ich beleidige hier niemanden meiner derzeitigen oder ehemaligen Freunde. Nur glaube ich, dass das so ungefähr der Eindruck wäre, den ich vermitteln würde. Und selbst wenn nicht, hat der Beitrag ohne Beleidigungen nur halb so viel Stil. ;p)

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

Ein Gedanke zu „As my colors fade out.“

  1. „Wir sind ihr gut genug, wenn die anderen sie wieder fertig gemacht haben“, erläuterten mir zwei Mädchen vor 25 Jahren auf dem Schulhof das Wesen der Freundschaft.
    Als „anstrengend“ empfinden wir Außenseiter, unattraktive Menschen, die aus dem Stand beliebig viel Zeit für uns hätten, hingegen wir sehr gut etwas anzufangen wissen mit jenen Minuten, welche uns außerordentlich attraktive Menschen aus einer Laune heraus widmen: Unser ganzes Wesen wollen wir in diese Minuten legen, offenbaren wollen wir uns dem außerordentlich attraktiven Menschen.
    Versprechen wir uns etwas von unserem Gegenüber, braucht niemand uns das Miteinander lehren. Ansonsten ist es wohl ähnlich zäh wie in einem Laden, der nichts von dem bietet, was wir begehren.
    Männer etwa sollten sich fragen, wie der Umgang mit bestimmten Menschen sich gestalten würde, hätten diese like Puppen keine sekundären und primären Geschlechtsteile.
    „Anstrengend“, schätze ich.
    Umgekehrt erinnere ich mich an eine junge Frau, die ihre millionenschwere neue Bekanntschaft zwanzig Stunden nicht vom Telefonhörer ließ. Weil man sich so gut verstand.

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