Was man so findet..

Ich hab vorhin meinen alten Blog durchstöbert. Die privaten Beiträge, die ich damals und dort nie veröffentlicht habe, weil ich noch nicht out of the closet war und dazu stand, dass es Probleme gibt.. grundsätzlich war es jedenfalls Feigheit. – Und ich denke, ich hab diesen Post hier nicht veröffentlicht.. :’D

Ich habe hier ja schon öfter darüber geschrieben, dass mein sozialer Vater (also Adoptivvater), wenn er mich in der Stadt sieht, an mir vorbeigeht. So im Übrigen auch gestern, als ich fast vor ein Verkehrsschild gerannt wäre. (Übrigens war es eines dieser „Parken verboten“ – Teile, was dem Ganzen einen gewissen Charme verleiht.)

Und komischerweise habe ich vor einem halben Jahr, ich denke, im März auch von ihm geträumt. Also angefangen, von ihm zu träumen. War echt seltsam.

Hier der Beitrag:

Eine Offenbarung. Sie kam per Traum.

Ich wünsche es mir so sehr. Dass ich jemandem alles sagen kann. Aber ich mach’s nicht. Ich geb niemandem die Chance. Weil ich schon von vornherein davon ausgehe, dass niemand es schaffen würde, richtig zu reagieren. Weil ichs teilweise selbst nicht weiß. Wie man richtig darauf reagieren soll. Weil ich slbst nicht mal weiß, worauf reagiert werden soll. Weil ich doch eigentlich keine Probleme habe. Oder doch?

Irgendein Emo.Song von Avril Lavigne oder so.. da heißt es:

And I don’t wanna fall to pieces, I just wanna sit and stare at you.
And I don’t wanna fall to pieces. I just wanna cry in front of you.

So, oder so ähnlich zumindest.

Zur Zeit belaste ich alle wieder mit meinem Selbstmitleid. Aber ich glaube, dass gehört zur Zeit schon dazu.

Ich hab auch vor 1 oder 2 Tagen zum ersten Mal gespürt, dass ich meinen Vater vermisse. Nicht dem vietnamesischen, der mir nicht mal zum Tet-Fest (viet. Neujahr) eine Minute seiner kostbaren Zeit schenken konnte. Sondern mein Papa. Der, der immer da war. Bis er es nicht mehr war.

Ich vermisse ihn so, dass es körperlich weh tut. Ich hab ihn zwar früher sicherlich auch vermisst. Aber irgendwann nicht mehr.. oder es ist schon zu einem normalen Schmerz geworden. Einer der Art, die man irgendwann für gewöhnlich empfindet & nicht mehr extra wahrnimmt.

Dann hab ich irgendwie was geträumt, wo er vorkam. Und ein bisschen über ihn nachgedacht. Wie ist er jetzt wohl? Wie ist man generell als Vater in dem Alter? Also in seinem und meinem? Was würde er zu mir sagen? Wie könnte ich mit ihm umgehen? Wie würde er mich behandeln? Und ich spüre, wie mir die Tränen kommen, wenn ich darüber nachdenke. Denn es zu denken, lässt es zu einer Erinnerung werden.

Ich will ihn nicht vergessen, ich will, dass er da ist. Mir Parties verbietet, Hausarrest gibt, wir reden können. Aber er ist halt nicht da. Und daran kann ich auch wenig ändern. Wie auch? Wie sollte ich daran irgendwas ändern? Das Einzige, was ich machen kann, ist, mit ihm zu sprechen. Und das .. ist unmöglich. Ich schaffe das nicht. Meine Illusion davon, wie er mir vielleicht etwas Nettes sagen würde, mich eventuell umarmen, sich entschuldigen, einfach gegangen zu sein. Das alles verpufft. Und übrig bleibt ein bisschen Nebel. Und ich. Und er. So wie wir sind. So egoistisch, so dumm.

Ich vermisse ihn nicht. Ich vermisse das Bild, dass ich mir von ihm erschaffen habe. Die Vaterfigur, die man innerhalb weniger Stunden gebastelt hat. Wie unfair es auch von mir sein mag.

Siehe auch:

Spielt Ihr Kind mit seinem Kot?

Ich würde Papi alles erzählen. Alles, was mich belastet, was passiert ist. Dinge, die ich Mami nicht sagen kann, Dinge, die ich niemandem erzählen kann. Ich würde heulen, ich würde so erleichtert sein. Und er wäre da. Selbst wenn er nichts sagen würde. Oder das Falsche. Er wäre da! Anwesend! Körperlich wahrnehmbar. Was will ich mehr? Nichts. Will ich wirklich nicht. In diesem Moment wäre das meine Welt. Ich wäre wie eine Pflanze, die in einer Tonurne gewachsen wäre.. ich würde plötzlich stark sein, und den Ton durchbrechen und wieder ich sein. Nicht dieses verkrüppelte Ding ..

Auch wenn das alles nur Schwachsinn ist, es ist doch schön, sich dranzuhängen und zu denken, es wäre alles besser, wenn..

So. Das war’s dann für heute mit Seelenstriptease. Oder zumindest war’s das für jetzt ;)

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7 Kommentare zu „Was man so findet..

  1. Eigentlich wundervoll, wenn Gott quasi eine Handynummer hat. Leider kann ich so zu keiner Menschenseele aufschauen. Auch musste ich für mich erkennen, dass niemand groß daran interessiert ist, „alles“ von mir erzählt zu bekommen. In diesem Sinne empfände ich es als absurd, weiter auf „Geheimnis“ zu machen. Eher gehe ich hausieren, überhaupt etwas von mir ins Leben zu bekommen. Irgendwann glückt es dann hoffentlich, sich so als Künstler vor größerem Publikum Erleichterung zu verschaffen.
    Mag man mich im Dunkel des Zuschauerraumes auslachen, mag man mich verachten, alles besser, als anderen gleichgültig zu sein wie ein Sack Biomüll.

  2. „Spielt ihr Kind mit seinem Kot?“ Das ist aus einem dieser wahnsinnig subtilen Diagnose-Fragebögen, richtig? Als ich das damals beim Ausfüllen gelesen habe, war ich froh, dass einen die Psychologen so richtig ernst nehmen. o.O

    Dein Text ist unglaublich traurig, aber irgendwie auch so schön, dass ich gerne weinen möchte. (hmmmjaaaa..) „Ausdrucksvoll“, würde ein Therapeutenfuzzi wohl sagen.
    Vergessen ist manchmal weniger schmerzhaft, als sich permanent abgelehnt und verlassen zu fühlen. Ich denke, du darfst dem Ganzen nicht so viel Raum in deinem Denken einräumen, dass es dich erdrückt.
    Keine Person auf dieser Welt ist so mächtig, als dass sie deine Probleme alle auf einmal verschwinden lassen könnte. Du kannst deine Illusionen nicht einfach so loswerden, aber immerhin bist du dir ihrer bewusst. Das ist gut, glaube ich. ;) Und wahrscheinlich ist „Seelenstriptease“ schon ein großer Schritt in Richtung Verarbeitung.

    1. Ja, genau da kommt die Frage her. Und seitdem, also knapp einem Jahr, verfolgt sich mich permanent und penetrant. Furchtbar! :’D

      Oh, wär schön, wenn es so einfach wär. Aber vielleicht hat es ja auch einen Sinn, warum man Gedanken immer und immer wiederkaut. – Dann rutschen sie vielleicht irgendwann leichter und bereiten einem weniger Bauchschmerzen, wenn man sie dann endgültig runterschluckt. Aber das ist eher eine Entschuldigung dafür, dass ich das mache. Denn ändern kann ich’s auch gar nicht wirklich.

      1. Naja.. Wer sowas eine Person, die nicht entweder weniger als drei Jahre alt oder senil ist, fragt, kann ja auch nicht ganz bei Verstand sein.
        Solche Fragebögen sind fehlkonzipiert und gehören verboten >.<

        Was für einen Sinn soll das denn ergeben? Etwa à la Gebetsmühle? Irgendwann müsste man es ja idealerweise aufgrund seiner Überlegungen verarbeiten.
        Wahrscheinlich tust du dir damit eher keinen Gefallen. Aber wie du schon sagst, das heißt natürlich nicht, dass du's ändern kannst.. =/

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