Und täglich grüßt das Murmeltier..

Jeden Tag wieder. Es macht mich wütend. Den Leuten, die es nicht verstehen können, erklären zu wollen oder zu müssen, was mein Problem ist. Zu mal ich es ja größtenteils gar nicht in Worte fassen kann.

Ich sage: Ich will in die Schule.

Und dann werde ich gefragt, warum ich nicht einfach gehe.

Ja, klar. Mach das mal. Und wenn ich diese Sätze höre, dann werde ich unendlich traurig. Aber weil ich manchmal nicht traurig sein möchte, schwenke ich um und werde wütend.

Will schreien: „DENKST DU DENN, WENN ICH DAS KÖNNTE, WÜRDE ICH DAS NICHT AUCH TUN, VERDAMMT NOCH MAL?“

Aber ich sage nur: „Ich darf nicht..“ obwohl ich dürfte. Meine Therapeutin würde mir das nicht verbieten. Sie möchte, dass ich in die Schule gehe. Manchmal habe ich das Gefühl, sie traut es mir zu und denkt, ich finde meinen Krankheitsgewinn einfach klasse. Das Ausschlafen. Das Sich-nicht-anstrengen-müssen. Doch in Wahrheit ist es so, dass ich nie ausschlafe. Dass ich mich ständig anstrenge. Hochstehen und atmen. Angst. So viel Angst.

Und manchmal gestehe ich Freunden, dass es nicht so ist, dass mir verboten wird, in die Schule zu gehen, sondern dass ich einfach nicht in der Lage bin. Und dann werde ich seltsam angeschaut. Mitleid? Nein. Unglaube. Ja. Vielleicht ist es das. Und ich hasse es. Wenn mir nicht geglaubt wird. Als ob ich lügen würde, wenn ich sowas sage. Verdammt, ich lüge, wenn ich sage, dass es mir okay geht.

Wenn dann der Punkt erreicht ist, wo es ihnen zu viel wird, dann gibt es kein wirkliches „zurück“ mehr. Ich bringe ihnen nichts. Ich bin Energieverschwendung. Man geht nicht zu jemandem, um ihn leiden zu sehen. Also geht man nicht zu mir. Außer ich bin mal gut drauf. Aber eigentlich auch dann nicht.

Das ist nur ein Beispiel.

Es gibt viele, die nicht damit umgehen können. – Das akzeptiere ich auch. Ich verstehe auch vieles nicht. Bin unsensibel und egoistisch. Aber wenn man ständig für alle da ist oder es zumindest versucht, ist man irgendwann traurig, dass nichts zurückkommt; selbst, wenn man es nicht wirklich erwartet hat.

Am Besten ist es, einfach sofort zu sagen: Selbstmord – Yeah! Denn dann fragen die Meisten nicht nach. Und die, die nachfragen, die wollen es zumindest irgendwo verstehen (oder ihr Gewissen beruhigen..) und bei denen kann man sich die paar Minuten Zeit nehmen, einen Bruchteil zu erklären. Manchmal. Immer weniger. Aber trotzdem nicht nie.

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

14 Gedanken zu „Und täglich grüßt das Murmeltier..“

  1. Es ist sicher kein Krankheitsgewinn, zurück zu bleiben, während für alle das Leben weitergeht.

    Jahrelang konnte ich nur mit nüchternem Magen zum Unterricht, weil eine wahnsinnige Panik mich beherrschte, mitten im Klassenraum kotzen zu müssen. Oft war mir schon am Samstag speiübel bei dem Gedanken an Montag. Nach der Schule verschwand die Übelkeit, als wäre sie nie gewesen. Während des Unterrichts aber rang ich jede Minute darum, nicht rausrennen zu müssen. Zum Schulschluss hin, quasi als Belohnung, jenes ebenso irrsinnige Glücksgefühl, es wieder für einen Tag GESCHAFFT zu haben.

    Vielleicht ist das Abitur im Fernstudium eine Alternative?

    1. Der Krankheitsgewinn liegt wo anders. Ist sicherlich auch ne Sache der Perspektive. Anyway. Wenn mir jemand spontan das Geld dafür geben würde, wäre das Abi als Fernstudium sicherlich möglich. Rein finanziell gesehen. Aber ob das meine Probleme lösen wird? Ich bin ja im Endeffekt nicht mehr so leistungsstark wie früher. Jetzt muss ich für meine 13NP lernen, wo ich früher einfach nur mal zugehört habe und 14NP bekommen habe. – Konzentrationsschwäche, Leistungsnachlass, .. und die Angst davor, zu versagen. Egal, ob ich bei mir zuhause sitze oder in Raum 209.

      Ist aber irgendwo ein guter Denkanstoß.. Hatte über diese Dinge vor längerer Zeit schon einmal nachgedacht (vielleicht auch geschrieben?) und vllt hat sich ja irgendetwas geändert.. :)

  2. Dieses Gefühl, sich immer wieder rechtfertigen zu müssen, kannte ich auch. Als ich so depressiv war, konnte ich nicht erklären, warum. Und alle schauten mich mitleidig an und hinterm Rücken fielen Worte wie „die soll sich mal zusammenreißen“ usw. Bescheuert, sowas.
    Ich wünsche dir, dass du das irgendwie hinbekommst.

    Liebe Grüße, unbekannter Weise.

  3. Ich finds bisweilen auch schwer zu akzeptieren, dass für mich ein anderer Maßstab gelten soll als für all die „Normalen“, die morgens aufstehen, in die Hände spucken und ihren Kram erledigen. Warum sollte man selbst das nicht auch können? Wenn man anfängt, so zu denken, ist man irgendwann davon überzeugt, man stelle sich eigentlich nur an.
    Aber stimmt das? Nur, weil es niemand versteht, macht das dein Leiden (und dass du leidest, kannst du ja nicht leugnen) nicht weniger real.

    Ich würde dir gern sagen, dass du dir darüber keine Gedanken machen, sondern erst mal darauf achten sollst, dass es dir besser geht. Aber leider nehmen „die Anderen“ ja Einfluss auf dein Wohlergehen, was immer sie auch tun oder sagen mögen. Was dir meiner Meinung nach mindestens das Recht gibt, sie auf den vielzitierten Tellerrand hinzuweisen, wenn wieder dumme Fragen oder Kommentare kommen.

    Und Selbstmord? Keine schlechte Idee (ach was, Scherziii!), aber es gibt dir möglicherweise wenig Genugtuung, es ihnen sozusagen zu beweisen, dass es dir schlecht geht, wenn du tot bist. Und außerdem finde ich, das sind Menschen nicht wert.
    [Ich mach mir hier möglicherweise grad Freunde, oder? Sorry.]

    1. Das ist ein toller Kommentar!
      Ja. Dieses „Was die können, kann ich doch auch..“ und dann irgendwann nach mehreren Versuchen hängt man ein „nicht“ an den Satz und belässt es dabei. Immer mit dem Gedanken, dass man es können müsste. Dass man es irgendwann vielleicht mal konnte.

      Hm, ja, ich glaube, das Recht, ihnen das zu sagen, ist nicht mal das Problem. Irgendwann fehlt einem zusätzlich zu der Überzeugung, das Recht zu haben, auch noch die Kraft, dieses durchzusetzen. Ich könnte ja einfach ein kleines Handbuch veröffentlichen und allen in die Hände drücken. Mit FQA-Teil und allem drum und dran! :’D

      Na als Genugtuung hätte ich mich eh nicht umgebracht. Das ist tatsächlich niemand wert. Zu mal es ja eher eine Erleichterung für die Leute wäre. Nee. Aber zB bei meiner ehemaligen Hausärztin (der, die meinte, ich solle etwas mehr beten, dann würde es mir auch gut gehen :’D) und meinem Oberstufenkoordinator (Herr F.) ist es einfacher, gleich den Suizid-Part zu nennen. Da sage ich dann, wenn ich gefragt werde, warum ich nicht zur Schule komme „Weil es in der Schule leichter ist, sich umzubringen, zu kotzen, zu springen, Pillen zu nehmen, ohne dass es jemand merkt, weil man alleine die Freistunden hat.“ und dann hänge ich noch dran: „Ich erkenne mich gar nicht wieder. Selbstmord! Als ob sowas je in Frage kommen dürfte!“ und alles ist geklärt. – Ich sage einfach in diesen Momenten die Wahrheit und hänge eine Unwahrheit („Ich erkenne mich gar nicht wieder. Selbstmord!..“) dran und schon lassen sie mich weiter in Ruhe existieren. :/

      1. Danke. Aber schlecht, dass du es verstehst. Und die Tatsache, dass man diese „alltäglichen“ Dinge früher (ungefähr zur Zeit der Dinosaurier) einmal konnte, ist sogar noch deprimierender.

        Handbuch. So eins hätte ich gern! Klingt irgendwie sektenmäßig — zumindest, wenn das viele Irre (=Depressive) überall mit sich herumschleppen. Da kommen dann bitte auch Gebete rein, ja? :D

        Okay, den Suizid-Abschnitt hätte ich mal besser lesen sollen -.-“ Ziemlich mutig von dir, Selbstmord ist ja doch ein Tabuthema.. Selbst mit meinen Freunden traue ich mich nicht, von mir aus darüber zu reden.
        Naja, aber die Vorstellung, dass Jugendliche sich eher in der Schule umbringen, sollte für jeden einleuchtend sein, der einmal Schüler gewesen ist! Und das ist echt traurig.

      2. Natürlich werden da Gebete reinkommen! Zusammen mit Kleidung für jede Woche (denn man wird ja dann nicht mehr zur Schule/Arbeit/whatever gehen, sondern nur zuhause hocken, ständig dasselbe tragen etc.) und bestimmte Sprechgesänge für besondere Anlässe (neue Antidepressiva etc.)

        Wird ein Bestseller! Mit dem Geld, das ich da verdiene, kann ich mir ne Buttercremetorte und ne Fettabsaugung leisten. Daamn!

        Das ist glaub ich nicht mal mehr mutig. Das ist der Punkt, wo’s einem egal ist. Wo’s nicht mehr interessiert, denn alle wissen, wie „Opfer“ ich bin. Ob ich dann total im Eimer bin oder nicht? Tze, als würde es einen Unterschied für irgendjemanden machen. Ich sag’s im Endeffekt jedenfalls nicht, weil ich mutig bin, sondern weil ich einfach nur in Ruhe schlafen gelassen werden will. So to say.

      3. Yaaaaaaaaaaaay, Uniformen bitte! ^.^
        Find ich super.

        Naja, wenn dir die Meinung der anderen egal ist, spricht das ja zunächst mal eher FÜR deine geistige Gesundheit. Aber andererseits kann das ein echt nützlicher äußerer Faktor sein. Ist zwar bescheuert, aber der Maßstab des „Normalen“ macht einem dann doch irgendwie Druck. Sonst würde ich zum Beispiel gar nicht mehr zur Schule gehen. — Andererseits hätte ich dann immerhin meine Ruhe, das hast du mir sozusagen voraus.

        1. Haha, nein, nein. Mein Vater zB darf das nicht erfahren. Da fühle ich ja noch. Aber beim Rest.. da sind die Depressionen mitunter schon zu stark, als dass ich noch so etwas wie Wut oder Scham fühlen würde. Es ist nur noch.. irgendeine -losigkeit. Da fühl ich mich einfach nicht mehr betroffen von. Hat halt auch Vorteile, depressiv zu sein. :x ;D

          Ach, die Ruhe hast du da auch nicht. Es ist mir ja nicht vollkommen egal. Der Druck ist trotzdem da und macht kaputt, was noch ansatzweise funktionieren könnte. Aber es ist trotzdem besser, als weiter in der Schule zu sein. Für mich jedenfalls. Ich kann das einfach derzeit nicht.

          Uniformen werden geplant, ich denke, es wird verschiedene geben. Angehörige kriegen zum Beispiel sone kleinen Armbändchen dazu oder so :’D. Vielleicht auch farblich trennen? Essgestörte, Svvler, Angstgestörte, Borderliner, Burn-Outer (wtf, ist das ein Wort?), Depressive, Manisch-Depressive.. Woa, eine lange Liste.

          Das wär doch glatt was für -sanguine- :D

    2. Apathie ist toll.
      Ja, schon klar, dass du nicht zu Hause sitzt, Champagner trinkt und dich geil findest. Man muss sich halt für das kleinere Übel entscheiden.

      Hahahaha das mit den Bändchen ist ne geniale Idee, wie diese All-Inclusive-Bändchen, nur in cool! Für Schizophrene bedrucken wir die mit LSD-Mustern, würd ich vorschlagen.
      Ist ne Lebensaufgabe :D

      1. Ach, ich schreib das nur lieber explizit, damit Mitschüler, die sich hier manchmal herverirren, keinen falschen Eindruck vermittelt bekommen. ;)

        Wenn ich wieder ein Grafiktablett habe, mal ich das alles auf & stells auf dem anderen Blog rein :’D Es kann nur wunderbar werden.

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