Menschen.

Wir sind schon eine elende kleine Gemeinde.

Kleine, egoistische, rücksichtslose Bälger, zusammengefercht und gemästet.

Unterm Strich sind wir nur „ein weiterer Mensch“. Unsere tolle Individualität geht drauf, wen interessiert noch unsere Geschichte, unser Schicksal? Um uns zu unterhalten, schauen wir ein bisschen Fernsehen, um miteinander zu reden, benutzen wir Instant Messenger und „lol“-en uns voll. Wo bleibt die Tiefe? Wo bleibt der Kontakt?

Freundschaft bedeutet: Ich hör dir zu, damit ich ganz schnell selbst reden kann. Oder: Heute betrinken wir uns bei mir, nächstes Wochenende kiffen wir bei Anne. Oder: Lass uns Spaß haben, wir leben nur heute. Aber eigentlich geht es nur darum, dass man selbst Spaß hat. Ob dem Anderen das passt, ist nebensächlich. Und generell sind uns die Menschen nur solang wichtig, wie sie uns etwas geben können. Einen Wert, weil sie uns um Rat fragen, einen kleinen Ego-Pusher, weil sie uns in den Arsch kriechen. Oder ein Rudel. Damit wir nicht so allein auf der Welt sind. Nein, da gibt es natürlich noch soo viel mehr. Sie helfen uns, die hässlichsten Jeans zu kaufen, damit wir neben ihnen dumm aussehen. Oder sie geben uns ehrliche Ratschläge und helfen uns so, irgendwen flachzulegen. Yeah! Das ist das Leben, Leute!

Und dann ist da noch unsere Zukunft. Dieses ominöse Gebilde, zusammengehalten von den Märchen, die uns erzählt werden und gefüllt von uns kleinen, unzufriedenen, leeren Wesen. Anne wollte immer Ärztin werden, hab ich das schon erzählt? Aber in Wirklichkeit ist sie zu dumm. So ist es eben. Aber das sagte ihr natürlich niemand. Ihre Eltern wollten das auch gar nicht wahr haben. Und dann ist da noch Clemens, der Kapitän werden wollte. Kein Witz, wollte er wirklich. Hat ihm niemand erzählt, dass man dafür gute Augen haben muss? Der Kleine hatte schon in der Grundschule ne Brille mit so dicken Gläsern auf, dass man sich bei Bandenkriegen dahinter verstecken konnte. Und das sind keine süßen, mal eben herbeifantasierten Geschichten. Ich kenne die Beiden. Anne ist jetzt in irgendeiner Gastronomie-Ausbildung und Clemens.. keine Ahnung. Der ist echt schlau, aber was genau er werden wird? Hm. – Und dann gehen wir in die Schule, wo wir größtenteils Grütze lernen. Und objektiv ist das ganz sicher nicht! Wo wir kleine Opportunisten werden. Wo wir fragen „Wie hoch?“ wenn die Lehrer sagen, wir sollen springen. Wo wir jährlich ein großes Spektakel aus dem Holocaust machen und jedes Jahr wieder irgendwo eine kleine heuchlerische Lisa ist, die sich ein paar Tränen aus den Augen pressen kann, um Mitarbeitsnote 1 zu kriegen. Yeah! Und dann, wenn wir kaputt sind und die, die wirklich was hätten werden können, den Tag nur überstehen, weil sie darüber nachdenken, wie sie sich am Kreativsten umbringen können, dann dürfen wir weitermachen und arbeiten gehen, unsere Rolle spielen, etwas für den Staat tun, der soviel für uns tut.

Und hier leben wir. Mit unseren Rudeln, um die Kriege zu durchstehen. Und mit unseren Ängsten und Wünschen und unserer unglaublich arroganten Selbstbezogenheit. Warum erschießen wir uns eigentlich nicht alle selbst?

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Veröffentlicht von

Patricia

People I know started following me. This is getting too real.

12 Gedanken zu „Menschen.“

    1. Hm. Ich denke.. viele Leute hören das, erinnern sich ein wenig an ihr eigenes Leben und denken sich dann: „Ach was solls, ich habs auch geschafft.“ Oder es interessiert sie nicht. Manche meinen, es zu verstehen, tun es aber nicht, manche verstehen es tatsächlich – aber die sind schon selbst so fertig, dass sie gar nix mehr machen.. etc.
      Und was können wir ändern? Können wir überhaupt was ändern? Wir sind doch nicht mal mehr dazu in der Lage, regelmäßig dies oder das zutun. Und da sollen wir Bildungsreformen durchkämpfen, Sozialpädagogen werden oder protestieren? – Wo sind sie hin, die Leute, die vor Jahren mal für Frieden gekifft haben?

      Was ich mich frage.. wieso kriegen manche Leute immernoch Kinder? Merken die’s nicht? Müssen wir für immer und ewig kleine Schachfiguren sein?

      1. Ich denke, viele Leute sind der Meinung, man müsse „da eben durch“ und dürfe sich „nicht so anstellen“. Was dumme Jugendliche natürlich noch nicht wissen können. Und so vegetieren sie weiter stumpf vor sich hin und meinen dabei, sie hätten die Weisheit mit Suppenkellen gefressen.
        Auf der anderen Seite.. ja, was können wir ändern? Einen Scheißdreck. Ich kann bestenfalls darauf hoffen, dass ich jung sterbe.
        „Das Beste, was einem Menschen passieren kann, ist nicht geboren zu werden.“
        Und Deutschland ist doch so bürokratisch, warum führt man nicht mal Regelungen ein, nach denen man erst ab einem bestimmten Bildungsgrad Kinder zeugen darf? Ich gebe zu, das klingt schwer nach Sozialdarwinismus, aber dann gäbe es immerhin weniger verkorkste, unglückliche Idioten.

      2. Würde mich über genauere Erläuterungen deines Beitrages freuen, ansonsten bin ich sehr enttäuscht von deinen Ansichten, weil ich sie eben ohne weitere Erläuterungen sehr negativ finde..

        1. Enttäuscht?

          „Eine Enttäuschung bezeichnet das Gefühl, einem sei eine Hoffnung zerstört oder auch unerwartet ein Kummer bereitet worden“

          Irgendwie macht mich das Wort.. wütend? Keine Ahnung. Wieso enttäuscht? Und was genauer erläutern? Wenn alles, dann ist mir das zu viel ;). Ich hab Depressionen, du wirst es kaum glauben, aber das beeinflusst solche Texte doch sehr doll.

  1. Hätte jetzt nicht gedacht, dass hier eine 17-jährige bloggt. Respekt.

    Ich denke in Worten, nicht in Fleisch und Blut. Sprachgestalten, deren Schöpfer längst unter hundert Schaufeln schwarzer Erde ruhen. Gerne lasse ich es zu, dass Tote mir lebendiger sind als alles, was im Alltagsverkehr an mir vorbei hastet. Ich erinnere noch, wie entsetzt ich war, nachdem ich zum ersten Mal eine Frau berührte: Dieses Knochenwesen hatte nichts gemein mit dem, was Worte in mir als „Frau“ erschaffen hatten. Nach weiteren Stichproben stellte ich denn auch mein Bemühen ein, Menschen flachlegen zu wollen. Begeistern die Worte, lasse ich mir nun gerne eine 17-jährige verkaufen, wo in Wirklichkeit ein 60-jähriger Sack hinter der Tastatur hockt. Beides ist mir in seiner Realität gleichgültig. Eigentlich ja auch lächerlich, sich seine Grabbeln zu lackieren, wenn alles um einen herum auf die Knie fällt vor etwas, das „Gott“ genannt wird.

    1. Ha! Wenn ich jetzt antworte, mach ich den guten Eindruck gleich kaputt. Aber gut, ich möcht hier nichts unkommentiert lassen, also hinfort mit gutem Eindruck.

      60? Nein, ich bin ageless. Und da ich nicht weiß, wie alt ich im Kopf bin, mit meiner kindlichen Naivität und typisch jugendlichen Selbstgerechtigkeit, orientier ich mich dann doch lieber an Fleisch und Blut und sage, dass ich 17 bin. Who cares?

      Ich mag die Denkweise. Obwohl ich glaube, dass, wenn wir alles wegnehmen, nichts mehr übrig bleibt. Das machts dann wieder etwas kompliziert. Wieder mal Grenzen ziehen. Woran erkennt man einen 60-jährigen Sack? Daran, dass er Falten hat, von den guten alten Zeiten spricht, eine Menge Lebenserfahrung hat, enttäuscht vom Leben und bitter ist, er langsamer geht, die Schlüssel vergisst, er Namen verwechselt .. ?

      1. Mein Denken ist grenzenlos wie unsere sterblichen Überreste. Am Ende passen zehn von uns in eine Urne. Ich sehe also keinen Sinn darin, großartig Fleischbeschau zu treiben. Wenn ich „Schlüssel mitnehmen!“ schreibe und es an die Wohnungstür pinne, reicht mir das zum Zeitgenossen. Als wäre mir Morgen für Morgen jemand behilflich, den Überblick zu wahren. Noch ein Strichgesicht darüber gemalt, und ich habe einen Freund fürs Leben gewonnen. Mit meinem Filzstift bin ich Gott.

  2. „Und generell sind uns die Menschen nur solang wichtig, wie sie uns etwas geben können.“

    Traurig, aber wahr. So sehr ich auch darauf bestehe, dass es Ausnahmen gibt, so stelle ich doch fest, wie oft mir selbst das schon wiederfahren ist und wie oft ich selbst aus Anderen nur meinen Nutzen gezogen habe. Natürlich gibt man das nie zu, weil, ja… man möchte ja nicht sein, wie die anderen. Aber im Grunde sind wir alle uns in vielen Dingen ähnlich, so ist es in der Natur, so ist der Mensch. Mit dem Unterschied, das wir Schützenfeste feiern und an Karneval Kinder mit Menschen zeugen, die wir sonst nicht mit der Kneifzange anfassen würden.

    1. Phew, wenigstens nicht noch einer, den ich mit meinem Weltbild voll enttäuscht hab! *immernoch gnatzig wegen Kevin*

      Ich find es ja immer.. hm, nicht bewundernswert.. auch nicht faszinierend.. nicht gut. fuu, dafür gibt’s scheinbar kein passendes Wort, wenn Menschen solche Schlüsse ziehen und sich selbst mit einbeschließen. Also nicht die typische Fingerzeig Reaktion und da sind die Anderen dran schuld! oder Die sind alle so böse und schlecht und sterbt!, sondern tja. Egal.

      Der letzte Satz ist eigentlich schon wieder so ein Fall von quotable quote. Wieso kann man bei WordPress keine Kommentare me-gusta-en?

  3. Du hast doch den Daumen-Hoch-Button ;) Ist das nicht „me gusta“-like? ;-)
    Nun, ich denke, das ich mich selbst nicht als Ausnahme sehe, liegt auch daran, dass ich Angst habe, zu hohe Erwartungen zu wecken. Denen ich dann eigentlich nie gerecht werde. Nur hinsichtlich Karneval bestehe ich darauf, außen vor gelassen zu werden :-p

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