Im Internet gefunden, bitte KRITISCH lesen

Zum Kotzen: Der Bulimie – Ratgeber!

Sie werden sich fragen “Eine Anleitung zum Reihern? Brauchen wir das wirklich?” Ja! Denn auch Kotzen will gelernt sein. Wie Sex, Shoppen am Samstag vormittag und das Autofahren mit 2,3 Promille, ist auch das “Sich Übergeben” eine Kunst, die nicht zu unterschätzen ist. Bei ZYN! werden Sie in 6 einfachen Schritten zum Profi-Spucker und können auf der nächsten Party die Magersüchtige in der Toilettenkabine nebenan beeindrucken.

For Women only? No, Sir! Kotzen ist männlich

Entgegen der üblichen Meinung ist Bulimie keine Frauensache. Männer können genauso gut ihr Innerstes nach Aussen kehren, wie Frauen, und sie brauchen sich dafür auch nicht zu schämen, denn kaum ein Vorgang des menschlichen Körpers ist so dermassen ausdrucksstarke Naturgewalt wie das schwallartige Entleeren des Magens. Alle Muskeln werden angespannt, die Herzrate erhöht sich, das Blut konzentriert sich im Gehirn, die Sehschärfe steigt temporär und die Mimik ist die eines Schwarzbären beim Angriff.

Und wenn ihr Männer noch einen weiteren Grund braucht: keine Abdominal-Gymnastik wirkt so effizient auf die Bauchmuskeln, wie das Krampfen beim Würgen. Waschbrettbauch über der Kloschüssel? Na klar, oder was denken Sie, wie Brad Pitt seine Figur bekommen hat?

Rewind and Erase! Eine kleine Nahrungslehre

Das Schöne an der Bulimie ist, dass Sie essen können was sie wollen. Das macht diese Diät auch so konkurrenzlos. Trotzdem gibt es das Eine oder Andere, was sie wissen sollten. Anfänger machen oft den Fehler, dass sie denken: “was zuletzt kommt, geht zuerst!” und stopfen als Erstes das Gesunde Zeug in sich hinein, um so doch noch irgendwie für einen Vitaminausgleich zu sorgen. Erst am Ende sterben die Schokoladentorten eines natürlichen Todes, denn die werden ja sofort wieder ausgespuckt, richtig? Falsch!

Der Magen bearbeitet Aufträge nicht nach Eingangsstempel, sondern nimmt sich ein Beispiel am deutschen Beamtentum und erledigt zuerst die einfachen Sachen und lässt die schweren Dinge für eine Weile ruhen. So kommt es, dass der Salat, den man als Entree hatte, noch vor dem Tiramisu wieder auftaucht (eigentlich: untertaucht). Als Faustformel gilt hier: je mehr Zucker, desto schneller hat der Körper es verarbeitet. Gemüse und Grünzeug ist vom Magen am schwersten zu verdauen und kann tagelang im Originalzustand überleben. Für den Vitamin- und Mineralausgleich empfehle ich Multivitaminpräparate vor dem Schlafengehen.

Time to go! Der richtige Zeitpunkt

Der richtige Zeitpunkt, um sich das Abendessen nochmals durch den Kopf gehen zu lassen, erfordert Einiges an Fingerspitzengefühl. Rennt man sofort aufs Klo, wird es schmerzhaft, denn dann hat man mit grossen Brocken zu kämpfen, die unangenehm kratzen und auch gerne mal steckenbleiben. Wartet man jedoch zu lange, kann es sein, dass ein Teil der Nahrung schon zu kuscheligen Fettpolstern verarbeitet wurde und der Rest im Warteraum nicht vom Stuhl hochkommt; was heisst, dass der Effort zum Herauslocken der Nachzügler unangemessen hoch ist.

Am besten hat es sich bewährt, eine halbe Stunde zu warten. Der Mageninhalt ist dann am einfachsten dazu zu überreden, nochmals an die frische Luft zu gehen und die Konsistenz hat einen angenehm weichen Aggregatzustand angenommen. Ein kleiner Tipp: ein grosses Glas Wasser vor dem Spucken vereinfacht den Prozess noch.

My Home is my Bathroom! oder “Wo ich mich hinknie, da bin ich zuhaus”

Nicht nur die Zeit, sondern auch der Ort will sorgfältig gewaehlt sein. Meist hat man natürlich keine grosse Auswahl: entweder man kotzt Zuhause, im Restaurant oder bei Freunden. Trotzdem sollte der Ort des Grauens so angenehm und gemütlich wie möglich sein, denn schliesslich verbringt man eine nicht unerhebliche Zeit knieend vor dem Porzellanthron. Nur Absolute Beginners erledigen die Sache in 2 Minuten, wohingegen Profis wissen, dass sie für eine gründliche Rundumreinigung ihrer Interna schon gut 15 Minuten einplanen müssen.

Untersuchen Sie die Toilettenschüssel. Ist es eine deutsche abgeschrägte Toilette mit enger werdendem Hals, so haben sie Glück. Sich in dieser Arbeitsumgebung einzusauen, ist fast unmöglich und sie können munter draufloskotzen. Wenn gewünscht auch stehend mit halb eingeknickten Knien, während die Hände sich auf den Oberschenkeln abstützen. Haben Sie eine amerikanisches Klo erwischt, so gestaltet sich das Ganze etwas schwieriger und Sie müssen sich auf jeden Fall hinknien und so nah mit dem Gesicht an die Wasserfläche kommen, wie es geht.

Legen Sie sich ein Handtuch unter die Knie und versuchen Sie, ihr Essen auf dem Schleichweg in die Kanalisation zu befördern, um Spritzflecken zu vermeiden. Experten tragen Knieschoner unter ihren Jeans und legen eine grosszügige Schicht Klopapier in die Toilette, um so den Aufprall auf dem Wasser zu dämpfen.

Vielleicht haben Sie die Moeglichkeit, das Licht zu dimmen oder Sie zünden sich ein Teelicht an und schalten das grelle Neonlicht aus. Wenn Sie möchten, sprühen Sie auch einen Spritzer Ihres Lieblingsparfums in den Raum oder kleben ein Foto Ihres ärgsten Feindes knapp unterhalb des Toilettenrandes. Was immer Ihnen gefällt, ist erlaubt.

Auf Autobahnraststätten und in schmierigen Kneipen ist es egal, welche Methode Sie anwenden. Hier können Sie kreativ werden und Weitspucken üben, das Waschbecken benutzen oder sich dabei im Kreis drehen. Es wird von Ihnen erwartet!

In jedem Fall gilt: halten Sie Taschentücher in Griffnähe und klappen Sie immer den Klodeckel hoch. Lange Haare werden vorher mit einem Gummiband zurückgebunden und danach den Kaugummi nicht vergessen!

Sounds like Teen Spirit! oder “Der Ton macht die Musik”

Sich zu Übergeben ist normalerweise eine geräuschvolle Angelegenheit. Nicht immer aber hat man die Privatsphaere, um sich in voller Lautstärke zu erleichtern, und so muss man bei den Soundeffekten schon mal Abstriche machen. Wenn die Toilettenkabine nebenan besetzt ist, das Wohnzimmer der Freunde neben dem Klo liegt und vor der Toilette jemand anderes auf seine Chance wartet, sind die Phantomimen im Vorteil. Leider ist lautloses Kotzen eine Frage der Zeit, daher rate ich jedem Anfänger, das in mehreren ungestörten Sessions zu üben, bis man oeffentlich damit auftreten kann.

Manchmal verhilft auch die richtige Technik zu schnellem Erfolg. So finden viele es einfacher, zwei Finger zu benutzen und diese so tief es geht in den Rachen zu schieben und damit den empfindlichen Bereich hinter der Zungenwurzel zu berühren. Dies löst einen relativ krampflosen und dadurch auch ruhigen Brechzwang aus. Nach nur wenigen Versuchen ist man im Halsbereich relativ unempfindlich, so dass man jeden Gastroenterologen bei einer Magenspiegelung verblüffen koennte.

Have Fun! Der Spassfaktor

Wenn man als VollzeitBulimiker etwas so häufig macht, wie das Reihern, so ist es wichtig, dass man dabei auch Spass hat. Wenn Ihnen jetzt erst schlecht wird: Gratulation und Willkommen im Club, aber lesen Sie trotzdem weiter. Es lohnt sich!
Es gibt tatsächlich Mittel und Wege, das Kotzen zur kurzweiligen Freizeitgestaltung zu machen. Essen Sie nach der ausgesuchten Mahlzeit etwas mit hohem Farbstoffgehalt. Am wirkvollsten sind Azorubin (E 122), Indigotin (E 132) und Xanthophylle (E 161), weil diese Farbstoffe von BASF mit der Auszeichnung “totalresistent gegen Magensäure” ausgetestet wurden. Das gibt beim Übergeben lustige Farbakzente und Sie müssen nicht immer auf das langweilige und undefienierbare Braun schauen. Keine Angst vor gesundheitlichen Schäden, diese lebensgefährlichen Zusatzstoffe sind ja sofort wieder draussen.

Lesen Sie gerne aus dem Kaffeesatz? Lieben sie Bleigiessen zu Sylvester? Dann wird Ihnen dieses Spiel gefallen. Deuten Sie ihre Zukunft aus dem Muster, das ihr Mageninhalt auf der Wasseroberfläche hinterlässt. Das ist so einfach wie Tierfiguren in Wolkenbildern erkennen und lenkt Sie ein wenig von Ihrer unangenehmen Aufgabe ab. Ausserdem bringt es etwas Spannung in Ihr Leben, indem Sie herausfinden, wie nah an die Wahrheit Sie mit Ihrer Deutung kommen.

Versuchen Sie, so viele Nahrungsmittel wie möglich im halbverdauten Zustand zu erkennen. Geben Sie sich dafür Punkte und addieren Sie diese am Ende zusammen. Fortgeschrittene raten vor dem Spuckvorgang, was als Nächstes kommen wird und absolute Profis kotzen sortiert, das heisst, dass sie zuerst die Karotten und dann die Brokkoli loswerden.

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10 Kommentare zu „Im Internet gefunden, bitte KRITISCH lesen

  1. Gibt es einen weichen Aggregatzustand =P?
    Nun gut auch wenn es Sarkasmus im großen Stil war – gefällt mir dieser Eintrag am wenigsten von allen.

  2. Ach sehe grad, dass es doch nicht von dir war – habe mich schon gewundert.
    Kein wirklich guter Text – zumindest für meinen Geschmack. Und noch einige logische Fehler.
    Muskelaufbau dadurch? Vielleicht für den Moment gar nicht so verkehrt, aber trotzdem ein bisschen … nun ja da fehlt mir irgendwo der Ausdruck.
    Muskelschwund würde es eher treffen.

  3. Nein, der kommt nicht von mir ;)

    Trotzdem muss ich zugeben, dass echt sehr viel zutrifft und auch wenn es böse formuliert wurde, der Wahrheit entspricht..

    Wollte’s aber mit ein paar Menschen teilen & joa.

  4. Da ist halt auch scheiße, dass viele Mädchen (und Kerle), die gerade erst eine mögliche Essstörung entwickeln, diese Texte eben NICHT kritisch lesen. Sie nehmen alles an, experimentieren gegebenenfalls wirklich mit irgendwelchen Farbstoffen rum, kotzen, bis die Magensäure kommt, damit auch wirklich alles draußen ist. Bis nicht mehr nur helles Blut (also aufgekratzer Rachenraum/Speiseröhre), sondern schwalle von dunklem Blut (ergo aus Magen oder Speiseröhre.. allerdings so ernsthaft gefährlich, dass man umgehend zum Arzt sollte/muss) kommen. Aber hey! Ist ja nicht schlimm. Hauptsache morgen früh seh ich 200g weniger auf der Waage. :/

  5. Hey, also ich weiss nicht was ihr alle habt, aber wo sie Recht hat hat sie Recht. Ich finde das super. ok es stimmt nicht alles, aber gefällt mir trotzdem :D

    1. (In wie weit wir Beiden nun ein „alle“ sind, weiß ich noch nicht, aber um mal zum eigentlichen Punkt zu kommen: )

      Ich glaube, Kevin hat schon erklärt, warum er mit dem Text ein Problem hat. Er mag das Thema nicht, er findet den Schreibstil nicht sonderlich klasse, es gibt einige Denkfehler.

      Als Hochleistungskotzer bin ich der Meinung, dass an dem Text sicher einiges dran ist, denn manch ein Essgestörter wird schon so vor der Toilette gehangen haben. Das Problem, was ich damit hab, ist aber auch klar, denn ich kenne die ganze Scheiße schon. Viel zu gut.

      Nina, nicht, dass ich die Daten weitergeben würde oder benutzen, aber allein indem ich deine E-Mail Adresse gesucht habe, weiß ich jetzt, wo du wohnst, wie alt du bist, was deine Handy-Nummer ist (0163-7 usw.) Dass du am 6.Februar diesen Jahres nach jemandem gesucht hast, der dir Tipps gibt, egal wie alt dieser Jemand ist. Dein Facebook Profil hab ich ebenfalls gefunden, obwohl ich zugeben muss, dass mir das wenig bringen würde, wenn ich mich nicht mit meinem Fake Account anmelde und dir eine Freundschaftseinladung schicke, da es privat gestellt ist. Und das alles innerhalb von weniger als 20 Sekunden. Noch einmal 10 Sekunden sagen mir, wo du Sport machst oder gemacht hast, und wer sonst noch so in deinem Team ist.

      Essstörungen sind nicht nur gefährlich, weil man sich runterhungert, oder weil man kotzt und stirbt, oder weil irgendwann die Zähne gelb sind und auch nicht gebleacht werden können, sondern weil man einfach davon verdummt. Einmal auf psychologischer Sicht, denn Whoop, nichts ist wichtier, als Abzunehmen, sondern auch auf rein biologischer: Je weniger man isst, desto weiter fährt sich der Körper runter. Und dann wissen auf einmal völlig Fremde, in diesem Fall ich, wer man ist.

      Das Problem, das einige Leute haben, ist, dass gestörte Menschen – und ich schließe mich da gerne ein – eben gestört sind. Nicht rational denkend. Dass es ein scheiß ambivalenter Status ist, in dem man sich da befindet. Von Außen sieht es so cool aus, aber es ist nicht cool. Ich kenne keine Essgestörte, die zufrieden mit sich ist. Das, womit man sich ansport bleibt für IMMER aus. Und Außenstehende sehen solche Dinge leider etwas klarer als Betroffene.

      On a different note, die Autorin oder der Autor (oder auch die Autoren) des Textes haben einzig einige Denkfehler eingebracht. Der Rest ist subjektiv, also kann da soweit ich mich erinnere gar nichts „nicht stimmen“. Würde den Text ja noch einmal lesen, aber das würd mich triggern, also korrigier mich, falls ich mich irre.

      Finde ihn eigentlich sogar ziemlich gut, wenn man ihn nun wirklich kritisch betrachtet, weil es eben ein großes Fuck You ist, und es vor allem darum geht, wie krankhaft man sein wird, was da soweit ich es einschätzen kann, absichtlich so dargestellt wird, als wäre es etwas anderes als es ist.

      Mhe, bin irgendwie zu müde, um etwas Ordentliches zusammenzukriegen. Wäre ich du, würd ich aber auf jeden Fall nicht mehr meine Handynummer in Gästebüchern hinterlassen. Kann natürlich sein, dass ich mich hier voll vertan habe und so, aber ich glaube, dass dem nicht so ist.

  6. Das ist Sarkasmus pur! Entspricht natürlich in gewissen Maßen der Wahrheit aber den Text könnte man auch auf einer Comedy-Bühne bringen. Ich musste an manchen Stellen einfach lachen. Natürlich ist das ganze alles andere als lächerlich. Bin ja selbst betroffen. Aber wenn ich auf so manche Seiten bei Google seh: pro anad etc… ist ja wie ne Sekte-du sollst nicht dies und das – lebt bloss nicht nach deren „Regeln“!!!!

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