#10 let’s be happy

(Jetzt mit „Übersetzung“ in den Kommentaren.)

Es gibt neuen Ace Discourse im Internet. Die guten alten Zeiten der livejournal Debatten sollten den Internetbesucher des frühen 21.Jahrhunderts wohl nur auf die neuen Ausfälle vorbereiten, aber ich komme mir doch sehr unvorbereitet vor.

Um das Ganze mal für die süßen Sommerkinder, die davon unbetroffen sind, zu erklären:

Asexualität wird auf der simpelsten Ebene so definiert: Die Person fühlt sich nicht sexuell von anderen Menschen angezogen. (ALLES andere hängt vom Menschen ab. Manche mögen Sex, manche nicht, manche haben Sex, manche nicht. Ob mit Männern, Frauen, Nonbinären, etc ist ebenfalls offen.)

An dieser Stelle: Aromantisch zu sein bedeutet dann laut Split Attraction, dass man keine romantische Anziehung empfindet. Alles andere ist auch dort offen.

Innerhalb der LGBT Sphäre auf Tumblr wird jetzt schon länger diskutiert, dass Aces kein Anrecht auf Platz in oder Ressourcen von der Community haben, wenn sie denn nicht gleichzeitig transsexuell, schwul, lesbisch oder bi sind.

Was übrigens ein wichtiger Schnitt ist, denn auf intersex, non-binär (aber nicht trans) und so weiter wurde schon einmal verzichtet. Die sind ja überflüssig oder können sich in trans und bi-Sphären assimilieren. (Pan und bi ist doch eh dasselbe! Und wenn schon nicht dasselbe, dann ist Pan nur eine Subgruppe von bi! Yeah!) Weiterhin wird nun argumentiert, dass Asexuelle, die biromantisch sind, aber sich nur in anders-geschlechtige (!) verlieben, ebenfalls kein Anrecht haben. Übersetzt:

Es geht hier nicht um Geschlecht/Gender (=Transfrau ist weiblich, auch wenn ihr zur Geburt das männliche Geschlecht in die Geburtsurkunde eingetragen wurde) sondern um Genitalien. SGA (Same gender attraction) ist sowieso erst einmal eine häufig nonbinär-feindliche Art und Weise, um Sexualität zu reduzieren, und wird hier Letzenendes nicht auf Gender-Identität, sondern (und deswegen transfeindlich) auf Genitalien reduziert, denn: Wenn man sich als Mann in eine cisFrau (=Vagina) oder in einen transMann (geboren mit Vagina) verliebt, dann ist man jetzt nicht mehr SGA, so einige LGBT-Diskurser.

(Ich möchte hier einmal erwähnen, dass unsere Genitalien kein Geschlecht haben.. außer in der deutschen Grammatik. Wenn eine Frau einen Penis hat, dann hat sie eben einen Penis. Das ist trotzdem ein weiblicher Körper, da der Körper ja nun einmal einer Frau gehört.)

#AceDiscourse hat sich also verwandelt von „Asexuelle haben kein Anrecht auf einen Platz an unserem Tisch!“ -was, wenn auch fragwürdig, für mich nichts war, wozu ich beitragen konnte- zu „Wir sind bigotte Arschlöcher!“

Im Übrigen ist der Grund, warum cisheteroromantische Asexuelle kein Anrecht auf LGBT-Stammplätze haben, der, dass sie nicht dieselbe Diskriminierung erleben, wie Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transsexuelle. Die, wenn man die Implikation dieser Aussage bedenkt, also scheinbar alle dieselbe Diskriminierung erfahren….?

Ich erinnere mich an Zeiten, an denen es LGBTQIA hieß, und das Q für Q*eer und Questioning stand, sowie das A für Asexuell, aber jetzt heißt es, es gäbe Gründe, wieso es LGBT heißt, und noch viel wichtiger, die einzige Diskriminierung, die Asexuelle erfahren, die sei, dass sie eben „Quasi-Straight“ genannt werden, was sie ja doch aber sind, und wieso regen sie sich denn so auf?

Asexualität wurde danach mit verschiedenen Kinks verglichen, dann ging es weiter mit Aros. Und auch die haben jetzt zu hören bekommen: Wenn ihr nicht mit jemandem schlaft, der die gleichen Genitalien hat wie ihr selbst oder trans seid, dann weg mit euch aus unseren heiligen Hallen.

Ace Discourse war noch nie angenehm für mich. Bi Discourse war furchtbar „damals“ -und ist es weiterhin- aber Ace Discourse entfacht einmal bei vielen Leuten Kriegsflashbacks, und benutzt zweitens dieselbe Rhetorik, die schon vorher benutzt wurde, um biphobischen Unsinn zu verbreiten. Bisexuelle seien nur Heteros, die sich nicht ihre Privilegien eingestehen wollen und die safe places unterwandern. Bis sind Heteros, die Lesben und Schwule ausnehmen wollen. Bis haben kein Recht auf LG-Ressourcen. Ace Discourse lacht ins Gesicht unserer selbst-anerzogenen Netiquette, dass wir Minderjährige weder mobben, noch uns über sie lustig machen oder sie beleidigen. Es gab Welpenschutz, vorher, aber der ist jetzt wieder einmal aufgehoben wurden, denn die bösen Aces müssen geschnappt werden, bevor sie den gesegneten Boden infiltrieren. (Und ihn mit ihrem heteroromantischen, sex-feindlichen Unsinn beschmutzen.) – Was sogar gleich eins weitergeht, und TERF-Rhetorik ist. (Trans-Exclusionary Radical Feminist; also diese wunderbaren Feministen, die meinen, transsexuelle Frauen seien eigentlich nur Männer, die in ihre Gefilde eindringen wollen.)

Und während sie auf cishet Aces schimpfen, wollen sie sich hinstellen und so tun, als ginge es wirklich nur um cishet Aces und wäre an keiner Stelle aphobisch/acephobisch. Nur, dass es das weiterhin ist. Und sie meinen, die Korrekturvergewaltigungen, die Entsagungen und Enterbungen, seien nur Beiprodukte von Rassismus und Sexismus, als wäre Intersektionalität plötzlich nicht mehr in Existenz.

Ace Discourse geht mir so gewaltig auf die Nerven.

Was sollen euch die bösen Asexuellen denn tun? NICHT mit euch schlafen wollen? Oho!

Was bringt es euch denn, Pan- und Bisexuelle unter den Bus zu werfen, nur, damit die bösen Aces aus dem Weg sind? Ist eure transphobische Analyse auch nur einen Cent wert? Und wenn Aces ihre eigene Community erschaffen sollen, wieso steht immer irgendein Schwuler oder eine Lesbe da, um Bestandsaufnahme zu machen und ihnen vorzuhalten, sie bauen ihre Gemeinschaft auf pädophilen Fundamenten? *seufz*

So müde gerade.

Jedes Mal, wenn ich mich informiere, wer gerade noch zur Liste der „Nicht LGBT würdig“ Liste hinzugefügt wird, kommt es mir so vor, als seien sie kurz davor, auch noch das BT zu streichen und Feierabend zu machen.

Was natürlich super klasse ist, und dass sich Minderjährige absolut entwertet fühlen ist ihre eigene Schuld.

#8 a blank spot in my memories

Aus mir erneut unbekannten Gründen (habe ich zu oft Hannibal gesehen?) überlege ich gerade viel zu sehr, was „böse“ ist.

Ein gewollter Akt der Zerstörung?

Ich nehme an, so lässt es sich am simpelsten zusammenfassen. Aber beantwortet habe ich meine Frage damit auch nur auf einer so oberflächlichen Ebene, dass ich mir die Mühe nicht hätte machen müssen, sie überhaupt aufzuschreiben.

Ist „böse“ auch das Unterlassen einer Hilfestellung, wenn es explizit oder implizit zu Zerstörung führt? Ist „böse“ ein weniger abhängiger Marker unserer Menschlichkeit? Kann „böse“ also viel eher auf Situationen angewandt werden, bevor man auf Subjektivität und kulturelle Unterschiede schimpft?

Aber vielleicht müsste man jeden Teil auseinandernehmen, und Zerstörung definieren, wofür es mir aber im Moment an Motivation fehlt. Ich habe bisher auch noch nicht die Wichtigkeit des Wortes „böse“ für mich selbst realisieren können. Gegebenenfalls wäre das ja schon mal ein Anfang.

 

#7 within this childish madness;

Ich muss Dinge beantragen. Das Problem mit meinem Wunsch, selbst in der Lage zu sein, Dinge zu machen, ist, dass ich sie jetzt auch machen sollte.

Zum Beispiel Schüler-BAFÖG beantragen, von dem ich zum Schluss vielleicht zwölf Cent behalten kann, sobald das Amt alles weggestrichen hat, was wegzustreichen ging; was ich aber dennoch beantragen muss, weil eine schulische Ausbildung hier im Ort und in der Umgebung 5.500 Euro kostet und auch zwölf Cent mehr etwas für arme Kirchenmäuse wie mich sind. (Exklusive Lehrbücher etc.) Das ist ein großer Spaß! Ich finde es super, dass es zwischen arm und reich keine Unterschiede in Deutschland gibt! Akademische Gleichberechtigung!

Um Schüler-BAFÖG zu beantragen, müssen die Eltern ebenfalls Dinge ausfüllen. Ich müsste also zu meinem Adoptivvater gehen (wo auch immer er nun wohnt) und ihn darum bitten, nur, damit er es dennoch nicht ausfüllt. So wie er es schon immer getan hat. Die Frau beim Amt hat mir einen wunderbaren Zusatzzettel gegeben:

Hiermit versichere ich, dass ich

[ ] zu der Person meines Vaters _____________
[ ] keine näheren Angaben machen kann,
[ ] der Aufenthaltsort ist mir nicht bekannt,
[ ] die mir zuletzt bekannte Anschrift meines Vaters lautet: ______________
[ ] auch kenne ich keine Kontaktpersn, die mir notwendige Hinweise/Auskünfte geben kann,
[ ] ich erhalte Unterhaltsleistungen von dem Elternteil, dessen Aufnenthaltsort mir nicht bekannt ist:

[ ] in Höhe von ____ € monatlich
[ ] ich erhalte keine Unterhaltsleistungen.

Ich versichere, dass diese Erklärung wahrheitsgemäß und vollständig ist und ich jede Änderung unverzüglich melden werde.

Ich nehme alles zurück. Ich möchte nicht selbst Dinge machen. Ich möchte nicht in einen depressiven Schub rutschen, nur, weil ich mich mit ehemaligen Erziehungsberechtigten auseinandersetzen muss, die mich wie eine heiße Kartoffel fallen lassen haben, als ich an Wert verloren habe. (Und dabei noch mein Sparkonto leergeräumt. Danke, Papa, das Geld hätte ich bestimmt eh nie gebraucht.)

Am Sonnabend habe ich mich gegen ärztlichen Rat aus dem Krankenhaus ausgewiesen, und das ist alles, was ich an Verantwortung übernehmen möchte.

Ich hab kein Interesse daran, mich vor meinen Kollegen dafür rechtfertigen zu müssen, dass ich Dinge gemacht habe, die ich gar nicht gemacht habe, nur um dann scheinbar frech genannt zu werden, weil ich diese Dinge klarstellen wollte. Dieses ganze „erwachsen“ Ding ist mir über den Kopf gewachsen (was nicht schwer ist, wenn man die 1,60m Marke nicht erreicht, ich weiß) und um ganz ehrlich zu sein, sehne ich mich gerade nach Anfängen. – Wofür ich im Übrigen dankbar bin. Es gab eine Zeit, da wollte ich Ende um Ende, weil es mir zu viel wurde. Und ich möchte auch jetzt manch ein Ding beenden, aber danach möchte ich nicht zwangsläufig Stille und Schlaf, sondern Anfänge. (Im Moment will ich nur schlafen und Geld, aber es geht ums Prinzip..)

Ich hab kein Interesse daran, Dokumente auszufüllen, um Geld zu bekommen, (oder eben auch nicht) das ich dringend brauche, um irgendeine Version von Zukunft zu haben, wenn Leute mit weitaus mehr Geld weitaus weniger tun müssen, um dieselben Fördermittel zu bekommen – für Ausbildungen, bei denen sie vergütet werden, die Ärsche.

Ich hab kein Interesse daran, mich mit irgendwelchen Leuten rumzustreiten, weil sie kleinkariert sind, oder zu einem meiner Lieblingsschüler Abschied zu nehmen, oder nie mehr als 100 Euro im Monat dazuzuverdienen, weil ich Aufstocker bin, oder-

Dieses Erwachsensein wird so unglaublich überbewertet.

Und ich bin, wenn ich krank bin, immer so unglaublich undankbar. *seufz*

Ich huste mal noch ein bisschen auf meine Formulare hier. (Ich soll Kopien vorlegen von: allen Steuerbescheiden 2014, Verdienstbescheiden oder Lohnzetteln 2014, Bescheinigung über den Bezug von Krankengeld, Bewilligungsbescheide über ALG II 2014, Rentenbescheide, Witwenrente, Erwerbsunfähigkeitsrente, Altersrente, Einkommensnachweise für Geschwisterkinder wie Ausbildungsvertrag/Studiennachweis, aktuelle Rentenbescheide 2016 und der Geschwisterkinder bei Halbweisenrente, Kopie Girokonto, Sparbücher bzw. anderer Freistellungsaufträge, Vermögensauflistung (Bargeld, Sparguthaben, Bauspar- und Prämiensparguthaben, PKWs, Altersvorsorge, Miteigentum und Eigentum von Grundstücken, Wertpapiere, Betriebsvermögen, Lebensversicherungen, etc.) und so weiter. Ähnlich sollen das wohl auch meine Eltern machen. Was ein Spaß. Oh Deutschland.)

 

#6

Man soll sich hinterfragen.

Ich saß gestern sicher eine halbe Stunde auf dem Balkon und habe darüber nachgedacht, ob ich die moralische Verpflichtung hätte, als Koch meine früheren Opfer darüber zu informieren, dass ich mir nicht immer die Hände gewaschen habe, als ich ihr Steak zubereitet habe.

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle zurückspulen und das Ganze etwas erklären..

Ich hatte eine ganz spezifische Situation im Kopf, aber da ich die nicht ansprechen möchte, musste ich aus mir einen Koch für diesen Beitrag machen. Also bin ich gerade ein von Gewissensbissen zerrissener Koch, der realisiert, dass er auch kein Urinsteak essen möchte und sich fragt, was genau in einer solchen Situation gemacht werden sollte.

Der erste Schritt ist natürlich, sich von dem Zeitpunkt an immer die Hände zu waschen. Aber sollte man sich entschuldigen? Würde man das für sich oder die Anderen machen? Entschuldige ich mich jetzt, damit es mir besser geht, oder weil ich denke, dass es das Richtige ist?

Und wenn ich mich dazu entscheide, mich nicht zu entschuldigen, weil es frühere Gäste nur traumatisieren würde -oder das Restaurant schließen und all meine Angestellten ihren Job verlieren würden- ist das dann eine Entscheidung, die ich treffen darf? Ist die Tatsache, dass ich erleichtert bin, nicht dazu stehen zu müssen, (ist dem überhaupt so?) ein Grund, wieso ich mich doch entschuldigen sollte? – Aber sollte ich für meine eigene Charakterentwicklung tatsächlich doch meine ehemaligen Gäste traumatisieren? Nur, um mich schlecht zu fühlen, als wäre „sich schlecht fühlen“ das Ziel?

Weitergehend, was sagt es über mich aus, dass ich denke, dass die Konsequenzen meiner Taten automatisch unbequem sein müssen, um richtig zu sein? Was sagt es über mich aus, dass die bequemen Konsequenzen (sich nicht entschuldigen, nur das Verhalten ändern) mich mit Misstrauen füllen?

Man soll zu erst ein Ziel festlegen. Ich möchte, als Koch, wissen, wie ich zukünftig zu handeln habe, wie/ob ich es wieder gut machen kann. Aber diese Ziele sind sehr stark verbunden mit der Tatsache, dass wir Europäer scheinbar denken, dass fünf Vater Unser uns in den Himmel bringen; nur manche Schäden kann man nicht entschädigen, weil sie nun einmal permanent sind. Mit manchen Dingen muss man leben. Ich hab mir mein Bett gemacht, und jetzt sollte ich darin auch liegen lernen.

Diese Gedankenkette endet nicht. Ich musste aufhören und reingehen, und habe währenddessen darüber nachgedacht, wie viel es wohl meine Faul- und/oder Dummheit ist, die mich in mein Bett drängt, nur um dann zu hinterfragen, was daran schlimm sein soll, oder eben auch nicht. Es hört nicht auf.

Ich würde gerne meinen Grundschullehrern auf den Fuß treten, dafür, dass sie dachten, uns -spezifisch mir- erklären zu wollen, wie wichtig es ist, Dinge zu hinterfragen, nur um dann jede Form von Skepsis zu verschmälern und zu belächeln. Ich kann so viel besser hinterfragen als ihr, und diese zwanghafte Neigung lässt mich wundern, wieso genau ich überhaupt hinterfragen muss.