#19 how much snow has to fall, for it to become spring?

Ich versuche seit drei Stunden, aufzuräumen, aber stattdessen habe ich meine Hefter sortiert, (drei Mülltüten später..) meinen Schrank aus- und umsortiert, et cetera. Natürlich zählt das alles ebenfalls zum großen Prüfungsbereich „Aufräumen,“ aber im Endeffekt sieht es jetzt viel unordentlicher aus als davor. /seufz

Dieser Paragraph war nicht als Metapher für meine psychische Stabilität geplant, aber jetzt, wo ich da noch einmal drüber lese, möchte ich anmerken, dass Dinge nicht immer geplant sein müssen, um letztlich irgendwelche anderen Situationen zu spiegeln.

Womit ich meine, dass ich weiterhin große Angst davor habe, in meinem Kopf irgendwelche Kisten zu öffnen, aber weiß, dass ich nicht sonderlich lebensfähig bin, bis sie leer sind.

(Und angeblich findet man am Boden von Kisten meistens Hoffnung.)

 

#18 it goes a little something like;

Ich müsste lernen.

Aber ich erkenne gerade den Sinn darin nicht, und im Endeffekt ist das wohl eines meiner primären Probleme.

Laut eines Modells* ist eine Kernkompetenz des Menschen, um relativ gesund zu sein, das Kohärenzgefühl. Wer ein hohes Kohärenzgefühl hat, versteht das Leben, seine Erfahrungen, Handlungen und Probleme als bewältigbar, verständlich und sinnvoll . Eine hohe Selbstbestimmtheit, Sinnhaftigkeit und so weiter führen demnach zu mehr generalisierten Widerstandsressourcen (sprich, Schutzfaktoren) und dadurch zu besserem Gesundheitszustand.

Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob ich depressive Schübe habe, weil mir ein Großteil des Lebens (nicht zwangsläufig meines Lebens) nicht sinnvoll erscheint und ob die tatsächliche Sinnlosigkeit zu depressiven Schüben führt, oder ob ich depressive Schübe habe, und es mir deswegen so vorkommt, aber irgendwo darin könnte ja durchaus eine Verbindung existieren.

Die erfolgreiche Bewältigung von „Spannungszuständen“ führt zu einem höheren Kohärenzgefühl. Das führt zu mehr Schutzfaktoren. Die verbessern die Gesundheit.

Ich müsste lernen, aber mir erscheint der gesamte Prozess sinnlos. Bewältigbar ist er bestimmt, und ich verstehe das Konzept dahinter, aber es ist für mich im Moment sinnlos.

Gegenargument zum Modell: Obwohl ich jeden Spannungszustand im Bezug zum Lernen erfolgreich bewältigt habe, hat sich mein Kohärenzgefühl mit Sicherheit nicht verbessert.

Lernen bedeutet im Schulsystem sehr häufig nicht, dass man langfristig Wissen aneignet und anwenden kann, sondern dass man zu einem festgelegten Termin eine Aneinanderreihung von Worten wiedergibt, die man nicht zwangsläufig verstanden haben muss. Diese Aneinanderreihung wird dann auf einem künstlichen Zahlenstrahl bewertet. Und diese Momentaufnahme entscheidet letztlich darüber, wie intelligent man als anonymer Fremder betrachtet wird.

Ich schätze mich als relativ intelligent ein. Mein letzter IQ-Test ist sehr lange her und unabhängig von seiner tatsächlichen Relevanz schon alleine deswegen wenig aussagekräftig; aber ich denke, alleine die Tatsache, dass ich meine mangelnde instinktive Empathie durch kognitive kompensiere, bedeutet, dass ich irgendwo ein paar Gedanken haben muss, die nicht minderwertig sind.

Ich habe es nicht nötig, Dinge auswendig zu lernen, die ich bereits beim ersten Überfliegen verinnerlichen kann. – Das Lernen zur reinen Wiedergabe von Wortaneinanderreihungen ist für mich Zeitverschwendung. Es ergibt keinen Sinn.

Case in point: Dieses Modell, das ich oben erwähnt habe, ist Teil einer Prüfung, für die ich lernen muss. Ich kann es anwenden. Ich weiß, wann ich es anwenden kann. Ich weiß, warum es wichtig ist. Es kostet mich keine Anstrengung, weil ich zusätzlich weiß, dass der betreffende Dozent keine Zitate aus unseren Unterlagen erwartet. Im Gegensatz dazu soll ich in einem anderen Fach „Eigenschaften von Spiel“ auswendig lernen. Natürlich sind diese Eigenschaften schlüssig. Aber es ist irrelevant.

Dazu Exkurs: Im Groben könnte man sagen, wir haben zwei Formen von „Gedächtnis,“ und zwar einmal das, das wir sprachlich wiedergeben können, und dann das, das wir handelnd wiedergeben. Deswegen fällt es vielen Muttersprachlern schwer, ihre Sprache zu erklären. Oder zu erklären, wie man Fahrrad fährt. Oder wie man eine SMS schreibt. – Wir zeigen, anstatt zu sagen.

Ich muss nicht die Wortaneinanderreihung „spontan, freiwillig, fantasieanregend, realitätsfern, Möglichkeit zur Kontaktaufnahme“ auswendig lernen, um zu wissen, dass Spiele das sind.

Im Kontext des Systems, in dem wir leben, ergibt es natürlich absolut Sinn. Wir befinden uns in einem ständigen Wettbewerb und in Ermangelung eines „Wie geeignet bist du für diese Aufgabe“-Bluttests müssen wir leider die Zeit absitzen.

Es ergibt Sinn, dass wir arbeiten gehen, dass wir lernen, dass wir uns mit anderen Menschen auseinandersetzen, dass wir Genussmittel inklusive qualitativ minderwertiger Medien konsumieren, dass wir gesund oder krank sind, dass die Dinge willkürlich oder unwillkürlich erscheinen, und so weiter.

Aber es ergibt keinen Sinn, wenn die Rechtfertigung unserer und derer Existenz einzig unsere und deren Existenz ist. Wenn eine Schlussfolgerung ad verbum die Prämisse ist, dann muss ich das nicht hinnehmen. Ich verkrafte keine „Es ist einfach so“s mehr. Es ist nicht einfach so. Es ist so, weil wir es so gemacht haben; es ist so, und wir wissen nicht warum; es ist so, und wir können vermuten, weswegen.

Ich müsste lernen.

Und ich liebe lernen, weil es für mich sinnvoll ist, Wissen anzueignen. Weil es mich ehrlich glücklich macht, mehr zu wissen als am Vortag. Weil es mir Spaß macht, mich mit neuen Themen auseinanderzusetzen und sie zu diskutieren. Weil mich die Vorstellung, dieses Wissen anwenden zu können, wirklich zufrieden stellt.

Aber die Vorstellung, zu lernen, weil ich das eben muss, und weil ich eine Wortaneinanderreihung wiedergeben soll, die völlig selbstverständlich sein sollte, und dennoch nach Faktoren bemessen wird, die nichts mit meinem Wissensstand oder meiner Intelligenz zutun haben. Die hasse ich.

In kurz und übersetzt: Wenn wir Dinge selbstbestimmt machen können, dann machen sie Spaß. Dieselben Dinge fremdbestimmt zu machen, macht krank. Die einzig wirksame Strategie, die mir derzeit einfällt, ist, meine Perspektive gewaltsam von „macht krank“ zu „macht Spaß“ zu schieben.

*Salutogenesemodell von Antonovsky

[Ich habe wirklich das Gefühl, dass ich diesen Post innerhalb von 2 Wochen wieder löschen werde..?]

#16

Das tatsächliche Gegenteil einer Sache, sprachlich betrachtet, ist oft genauso gut ein Synonym für diese Sache, was mich glauben lässt, dass ich entweder der deutschen Sprache nicht mächtig bin (Wahrscheinlichkeit sehr hoch, Lambda nähert sich Null), oder das Konzept, dass bestimmte Ideen zwei Seiten derselben Münze sind, vielleicht doch häufiger wahr ist, als ich angenommen hatte.

Jetzt müsste ich natürlich festlegen, was ein Gegenteil ist.

Aber dafür bin ich zu faul.