#11 let’s not be hurt

Der Mensch ist irgendwo ein System im System. Ich habe innerhalb dieser Systeme Bedürfnisse, die mir derzeit stärker bewusst werden, als mir lieb ist.

Ich bin derzeit gute acht Stunden umgeben von anderen, erwachsenen Menschen, die in mir Beklemmungen auslösen. Auf Arbeit habe ich mich zwar ab und an ähnlich gefühlt, war aber so mit Arbeit beschäftigt, dass es mich nicht gestört, dass ich nur wenige Bezugspersonen hatte. Innerhalb eines anderen Systems -und dort bin ich ja nun- werden mir aber meine eigenen Unzulänglichkeiten viel stärker bewusst, nehme ich an.

Ein Teil dieser Menschen, die mich derzeit umgeben, ist für mich angenehm, aber ein großer anderer Teil macht mich nervös und ängstlich. Nicht ängstlich im Sinne von Angst um mein Leben, sondern Angst im Sinne von ständiger Anspannung und Unruhe. – Ein Zustand, der der Leistungsfähigkeit nicht unbedingt positiv beiträgt.

Der Kontakt mit diesen Menschen lässt mich nach sozialen Strohhalmen greifen. Auf einmal habe ich das Bedürfnis, mich mit früheren Freunden und meinen Kollegen auf einen Kaffee zu treffen – möglicherweise auch nur, um den bitteren Geschmack jeglicher Interaktionen runterzuspülen. (Was viel negativer klingt als es ist.)

Als ich alleine war, habe ich mich viel weniger „allein“ gefühlt, muss ich sagen. Im Bett The Mentalist zu schauen, ohne jedweiges Gefühl von Isolation, Frustration oder Traurigkeit. Und ich nehme an, dass Klischee, allein in der Menge zu sein, ist nicht umsonst ein Klischee, aber das möchte ich hier nicht unbedingt bedienen. Es wird mir einfach immer bewusster, dass ich in bestimmten Situationen nicht weiß, wie ich mich verhalten kann oder soll. Ich fühle mich isoliert, und das ist unangenehm. – Obwohl ich davor gar nicht das Bedürfnis hatte, ein Teil dieser Gruppen zu sein.

Die Situation führt mir vor Augen, dass ich als Mensch mit meinen Wünschen doch sozialer bin, sobald dieses Verhalten mir vorgelebt wird. Dieser doch sehr oberflächliche Zusammenhalt anderer Gruppen entfacht wie immer, und wieso wundert es mich?, in mir den Drang, auch ein Teil zu sein. Auch dazuzugehören. Aber meine Individualität möchte ich dabei nicht verlieren, und um Teil dieser Gruppe zu sein, würde ich das müssen.

Ich müsste nachvollziehen können, warum ich schief angeschaut werde, weil ich große Worte benutze. (Denn „individuell“ oder „kompetent“ sind große Worte seit Neuestem) Wenn ich große, abstrakte Konstrukte von mir gebe. (Denn dass man rassistische Beleidigungen nicht nutzt, ist was ganz abstraktes!)

Es gibt ein gewisses Gruppendenken, innerhalb der Rollen, die wir einnehmen. Mütter, Schüler, Migranten, jüdische Menschen, trockene Alkoholiker, Astrophysiker. Und wir nehmen so viele Rollen ein. Ich spreche mich oft gegen elitistisches, klassizistisches Denken aus. Ich finde, dass die Intelligenz einer Person nichts über ihren Wert aussagt. – Aber es wäre eben schön, wenn hier in diesem Fall genau dieses Denken auf beiden Seiten vorhanden wäre; auch, wenn ich verstehen kann, wie es dazu kommen kann, dass dem nicht so ist.

Unabhängig davon bin ich natürlich weiterhin nicht die angenehmste, kompromisfähigste Person auf dem Planeten, aber wenn es nur darum ginge und das angesprochen würde, könnte ich da wohl viel eher etwas dran ändern, als daran, dass mir Worte wie „Toleranzschwelle“ rausrutschen. Ich kann doch nicht die ganze Zeit absichtlich die falschen Präpositionen benutzen… Irgendwann bleibt der Scheiß hängen.

Aber was ich eigentlich zwischendrin viel mehr fokussieren wollte: Ich glaube, mein Bedürfnis, jetzt sozial zu sein, ist eine Form von Selbstschutz und Prävention. Alles andere könnte mich einfach nur stärker in einen depressiven Schub drängen, und das ist einfach ein unangenehmer Gedanke.

Also bin ich ein System im System und kann mich nicht von den Komplexen befreien, die ich schon vor 7 Jahren hatte.

Was ernüchternd ist.

#10 let’s be happy

(Jetzt mit „Übersetzung“ in den Kommentaren.)

Es gibt neuen Ace Discourse im Internet. Die guten alten Zeiten der livejournal Debatten sollten den Internetbesucher des frühen 21.Jahrhunderts wohl nur auf die neuen Ausfälle vorbereiten, aber ich komme mir doch sehr unvorbereitet vor.

Um das Ganze mal für die süßen Sommerkinder, die davon unbetroffen sind, zu erklären:

Asexualität wird auf der simpelsten Ebene so definiert: Die Person fühlt sich nicht sexuell von anderen Menschen angezogen. (ALLES andere hängt vom Menschen ab. Manche mögen Sex, manche nicht, manche haben Sex, manche nicht. Ob mit Männern, Frauen, Nonbinären, etc ist ebenfalls offen.)

An dieser Stelle: Aromantisch zu sein bedeutet dann laut Split Attraction, dass man keine romantische Anziehung empfindet. Alles andere ist auch dort offen.

Innerhalb der LGBT Sphäre auf Tumblr wird jetzt schon länger diskutiert, dass Aces kein Anrecht auf Platz in oder Ressourcen von der Community haben, wenn sie denn nicht gleichzeitig transsexuell, schwul, lesbisch oder bi sind.

Was übrigens ein wichtiger Schnitt ist, denn auf intersex, non-binär (aber nicht trans) und so weiter wurde schon einmal verzichtet. Die sind ja überflüssig oder können sich in trans und bi-Sphären assimilieren. (Pan und bi ist doch eh dasselbe! Und wenn schon nicht dasselbe, dann ist Pan nur eine Subgruppe von bi! Yeah!) Weiterhin wird nun argumentiert, dass Asexuelle, die biromantisch sind, aber sich nur in anders-geschlechtige (!) verlieben, ebenfalls kein Anrecht haben. Übersetzt:

Es geht hier nicht um Geschlecht/Gender (=Transfrau ist weiblich, auch wenn ihr zur Geburt das männliche Geschlecht in die Geburtsurkunde eingetragen wurde) sondern um Genitalien. SGA (Same gender attraction) ist sowieso erst einmal eine häufig nonbinär-feindliche Art und Weise, um Sexualität zu reduzieren, und wird hier Letzenendes nicht auf Gender-Identität, sondern (und deswegen transfeindlich) auf Genitalien reduziert, denn: Wenn man sich als Mann in eine cisFrau (=Vagina) oder in einen transMann (geboren mit Vagina) verliebt, dann ist man jetzt nicht mehr SGA, so einige LGBT-Diskurser.

(Ich möchte hier einmal erwähnen, dass unsere Genitalien kein Geschlecht haben.. außer in der deutschen Grammatik. Wenn eine Frau einen Penis hat, dann hat sie eben einen Penis. Das ist trotzdem ein weiblicher Körper, da der Körper ja nun einmal einer Frau gehört.)

#AceDiscourse hat sich also verwandelt von „Asexuelle haben kein Anrecht auf einen Platz an unserem Tisch!“ -was, wenn auch fragwürdig, für mich nichts war, wozu ich beitragen konnte- zu „Wir sind bigotte Arschlöcher!“

Im Übrigen ist der Grund, warum cisheteroromantische Asexuelle kein Anrecht auf LGBT-Stammplätze haben, der, dass sie nicht dieselbe Diskriminierung erleben, wie Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transsexuelle. Die, wenn man die Implikation dieser Aussage bedenkt, also scheinbar alle dieselbe Diskriminierung erfahren….?

Ich erinnere mich an Zeiten, an denen es LGBTQIA hieß, und das Q für Q*eer und Questioning stand, sowie das A für Asexuell, aber jetzt heißt es, es gäbe Gründe, wieso es LGBT heißt, und noch viel wichtiger, die einzige Diskriminierung, die Asexuelle erfahren, die sei, dass sie eben „Quasi-Straight“ genannt werden, was sie ja doch aber sind, und wieso regen sie sich denn so auf?

Asexualität wurde danach mit verschiedenen Kinks verglichen, dann ging es weiter mit Aros. Und auch die haben jetzt zu hören bekommen: Wenn ihr nicht mit jemandem schlaft, der die gleichen Genitalien hat wie ihr selbst oder trans seid, dann weg mit euch aus unseren heiligen Hallen.

Ace Discourse war noch nie angenehm für mich. Bi Discourse war furchtbar „damals“ -und ist es weiterhin- aber Ace Discourse entfacht einmal bei vielen Leuten Kriegsflashbacks, und benutzt zweitens dieselbe Rhetorik, die schon vorher benutzt wurde, um biphobischen Unsinn zu verbreiten. Bisexuelle seien nur Heteros, die sich nicht ihre Privilegien eingestehen wollen und die safe places unterwandern. Bis sind Heteros, die Lesben und Schwule ausnehmen wollen. Bis haben kein Recht auf LG-Ressourcen. Ace Discourse lacht ins Gesicht unserer selbst-anerzogenen Netiquette, dass wir Minderjährige weder mobben, noch uns über sie lustig machen oder sie beleidigen. Es gab Welpenschutz, vorher, aber der ist jetzt wieder einmal aufgehoben wurden, denn die bösen Aces müssen geschnappt werden, bevor sie den gesegneten Boden infiltrieren. (Und ihn mit ihrem heteroromantischen, sex-feindlichen Unsinn beschmutzen.) – Was sogar gleich eins weitergeht, und TERF-Rhetorik ist. (Trans-Exclusionary Radical Feminist; also diese wunderbaren Feministen, die meinen, transsexuelle Frauen seien eigentlich nur Männer, die in ihre Gefilde eindringen wollen.)

Und während sie auf cishet Aces schimpfen, wollen sie sich hinstellen und so tun, als ginge es wirklich nur um cishet Aces und wäre an keiner Stelle aphobisch/acephobisch. Nur, dass es das weiterhin ist. Und sie meinen, die Korrekturvergewaltigungen, die Entsagungen und Enterbungen, seien nur Beiprodukte von Rassismus und Sexismus, als wäre Intersektionalität plötzlich nicht mehr in Existenz.

Ace Discourse geht mir so gewaltig auf die Nerven.

Was sollen euch die bösen Asexuellen denn tun? NICHT mit euch schlafen wollen? Oho!

Was bringt es euch denn, Pan- und Bisexuelle unter den Bus zu werfen, nur, damit die bösen Aces aus dem Weg sind? Ist eure transphobische Analyse auch nur einen Cent wert? Und wenn Aces ihre eigene Community erschaffen sollen, wieso steht immer irgendein Schwuler oder eine Lesbe da, um Bestandsaufnahme zu machen und ihnen vorzuhalten, sie bauen ihre Gemeinschaft auf pädophilen Fundamenten? *seufz*

So müde gerade.

Jedes Mal, wenn ich mich informiere, wer gerade noch zur Liste der „Nicht LGBT würdig“ Liste hinzugefügt wird, kommt es mir so vor, als seien sie kurz davor, auch noch das BT zu streichen und Feierabend zu machen.

Was natürlich super klasse ist, und dass sich Minderjährige absolut entwertet fühlen ist ihre eigene Schuld.

#8 a blank spot in my memories

Aus mir erneut unbekannten Gründen (habe ich zu oft Hannibal gesehen?) überlege ich gerade viel zu sehr, was „böse“ ist.

Ein gewollter Akt der Zerstörung?

Ich nehme an, so lässt es sich am simpelsten zusammenfassen. Aber beantwortet habe ich meine Frage damit auch nur auf einer so oberflächlichen Ebene, dass ich mir die Mühe nicht hätte machen müssen, sie überhaupt aufzuschreiben.

Ist „böse“ auch das Unterlassen einer Hilfestellung, wenn es explizit oder implizit zu Zerstörung führt? Ist „böse“ ein weniger abhängiger Marker unserer Menschlichkeit? Kann „böse“ also viel eher auf Situationen angewandt werden, bevor man auf Subjektivität und kulturelle Unterschiede schimpft?

Aber vielleicht müsste man jeden Teil auseinandernehmen, und Zerstörung definieren, wofür es mir aber im Moment an Motivation fehlt. Ich habe bisher auch noch nicht die Wichtigkeit des Wortes „böse“ für mich selbst realisieren können. Gegebenenfalls wäre das ja schon mal ein Anfang.

 

#7 within this childish madness;

Ich muss Dinge beantragen. Das Problem mit meinem Wunsch, selbst in der Lage zu sein, Dinge zu machen, ist, dass ich sie jetzt auch machen sollte.

Zum Beispiel Schüler-BAFÖG beantragen, von dem ich zum Schluss vielleicht zwölf Cent behalten kann, sobald das Amt alles weggestrichen hat, was wegzustreichen ging; was ich aber dennoch beantragen muss, weil eine schulische Ausbildung hier im Ort und in der Umgebung 5.500 Euro kostet und auch zwölf Cent mehr etwas für arme Kirchenmäuse wie mich sind. (Exklusive Lehrbücher etc.) Das ist ein großer Spaß! Ich finde es super, dass es zwischen arm und reich keine Unterschiede in Deutschland gibt! Akademische Gleichberechtigung!

Um Schüler-BAFÖG zu beantragen, müssen die Eltern ebenfalls Dinge ausfüllen. Ich müsste also zu meinem Adoptivvater gehen (wo auch immer er nun wohnt) und ihn darum bitten, nur, damit er es dennoch nicht ausfüllt. So wie er es schon immer getan hat. Die Frau beim Amt hat mir einen wunderbaren Zusatzzettel gegeben:

Hiermit versichere ich, dass ich

[ ] zu der Person meines Vaters _____________
[ ] keine näheren Angaben machen kann,
[ ] der Aufenthaltsort ist mir nicht bekannt,
[ ] die mir zuletzt bekannte Anschrift meines Vaters lautet: ______________
[ ] auch kenne ich keine Kontaktpersn, die mir notwendige Hinweise/Auskünfte geben kann,
[ ] ich erhalte Unterhaltsleistungen von dem Elternteil, dessen Aufnenthaltsort mir nicht bekannt ist:

[ ] in Höhe von ____ € monatlich
[ ] ich erhalte keine Unterhaltsleistungen.

Ich versichere, dass diese Erklärung wahrheitsgemäß und vollständig ist und ich jede Änderung unverzüglich melden werde.

Ich nehme alles zurück. Ich möchte nicht selbst Dinge machen. Ich möchte nicht in einen depressiven Schub rutschen, nur, weil ich mich mit ehemaligen Erziehungsberechtigten auseinandersetzen muss, die mich wie eine heiße Kartoffel fallen lassen haben, als ich an Wert verloren habe. (Und dabei noch mein Sparkonto leergeräumt. Danke, Papa, das Geld hätte ich bestimmt eh nie gebraucht.)

Am Sonnabend habe ich mich gegen ärztlichen Rat aus dem Krankenhaus ausgewiesen, und das ist alles, was ich an Verantwortung übernehmen möchte.

Ich hab kein Interesse daran, mich vor meinen Kollegen dafür rechtfertigen zu müssen, dass ich Dinge gemacht habe, die ich gar nicht gemacht habe, nur um dann scheinbar frech genannt zu werden, weil ich diese Dinge klarstellen wollte. Dieses ganze „erwachsen“ Ding ist mir über den Kopf gewachsen (was nicht schwer ist, wenn man die 1,60m Marke nicht erreicht, ich weiß) und um ganz ehrlich zu sein, sehne ich mich gerade nach Anfängen. – Wofür ich im Übrigen dankbar bin. Es gab eine Zeit, da wollte ich Ende um Ende, weil es mir zu viel wurde. Und ich möchte auch jetzt manch ein Ding beenden, aber danach möchte ich nicht zwangsläufig Stille und Schlaf, sondern Anfänge. (Im Moment will ich nur schlafen und Geld, aber es geht ums Prinzip..)

Ich hab kein Interesse daran, Dokumente auszufüllen, um Geld zu bekommen, (oder eben auch nicht) das ich dringend brauche, um irgendeine Version von Zukunft zu haben, wenn Leute mit weitaus mehr Geld weitaus weniger tun müssen, um dieselben Fördermittel zu bekommen – für Ausbildungen, bei denen sie vergütet werden, die Ärsche.

Ich hab kein Interesse daran, mich mit irgendwelchen Leuten rumzustreiten, weil sie kleinkariert sind, oder zu einem meiner Lieblingsschüler Abschied zu nehmen, oder nie mehr als 100 Euro im Monat dazuzuverdienen, weil ich Aufstocker bin, oder-

Dieses Erwachsensein wird so unglaublich überbewertet.

Und ich bin, wenn ich krank bin, immer so unglaublich undankbar. *seufz*

Ich huste mal noch ein bisschen auf meine Formulare hier. (Ich soll Kopien vorlegen von: allen Steuerbescheiden 2014, Verdienstbescheiden oder Lohnzetteln 2014, Bescheinigung über den Bezug von Krankengeld, Bewilligungsbescheide über ALG II 2014, Rentenbescheide, Witwenrente, Erwerbsunfähigkeitsrente, Altersrente, Einkommensnachweise für Geschwisterkinder wie Ausbildungsvertrag/Studiennachweis, aktuelle Rentenbescheide 2016 und der Geschwisterkinder bei Halbweisenrente, Kopie Girokonto, Sparbücher bzw. anderer Freistellungsaufträge, Vermögensauflistung (Bargeld, Sparguthaben, Bauspar- und Prämiensparguthaben, PKWs, Altersvorsorge, Miteigentum und Eigentum von Grundstücken, Wertpapiere, Betriebsvermögen, Lebensversicherungen, etc.) und so weiter. Ähnlich sollen das wohl auch meine Eltern machen. Was ein Spaß. Oh Deutschland.)